Kariesprophylaxe mit Xylit

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Es gibt verschiedene Möglichkeiten, vorbeugend etwas gegen die Entstehung von Karies zu tun. Oft genannt werden:

  • eine gewissenhafte Zahnpflege mit der richtigen Putztechnik
     
  • regelmäßige zahnärztliche Kontrolle mit professioneller Zahnreinigung
     
  • die Fluoridierung der Zähne mit fluoridhaltigen Zahnpflegemittel (Zahnpasten, Spüllösungen, Gelees)
     
  • und eine gesunde Ernährung mit wenig Haushaltszucker und andern vergärbaren Kohlenhydraten



Doch von dem Zuckeraustauschstoff Xylit haben viele Menschen noch nie etwas gehört. Aber gerade diese Substanz lässt sich wirksam im Rahmen der Kariesprophylaxe einsetzen, wie fast 300 Studien in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder belegen. Der Stoff verringert die Bildung von Zahnbelag (Plaque) und damit die Entstehung von Säuren, welche die Zähne schädigen können. Unter Fachleuten ist Xylitol bereits seit 30 Jahren bekannt, doch nur wenige Laien wissen, dass sie die Substanz zur Kariesprävention verwenden können. Ein Zucker der vor Karies schützt und beispielsweise in speziellen Zahnpflege-kaugummis enthalten ist.

Die beiden Chemiker Emil Fischer und Emil Bertrand synthetisierten 1891 den Stoff Xylitol, der auch Xylit genannt wird, indem sie Holzzucker (Xylose) reduzierten. Bei der Substanz handelt es sich um einen Zuckeralkohol. Xylitol ist in Obst und Gemüse enthalten. Auch in Pilzen sowie in der Rinde mancher Baumarten (Birkenzucker) kommt der Stoff vor. Eine industrielle Herstellung von Xylitol ist ebenfalls möglich. Dann werden meistens Maiskolbenreste zur Gewinnung dieser Substanz eingesetzt. Xylitol besitzt die gleiche Süßkraft wie Zucker. Der Brennwert von Xylit liegt um ca. 40 Prozent niedriger als der von Haushaltszucker. Dadurch enthält Xylitol deutlich weniger Kalorien als Zucker. Xylithaltige Kaugummis werden im Mund als kühlend empfunden. Dieser Effekt ist vergleichbar mit der Wirkung von Menthol.


Karies vorbeugen mit Xylit


Der Birkenzucker eignet sich auch bestens für Diabetiker, denn es findet eine insulinunabhängige Verstoffwechselung statt – heißt: der Insulinspiegel steigt durch einen Xylitolkonsum nicht an. Schon in der Zeit um 1970 entdeckten Wissenschaftler aus Finnland, dass Xylitol im Rahmen der Kariesprophylaxe eingesetzt werden kann. Die Zuckerstudien an der Universität von Turku in den Jahren 1972 und 1975 kamen genau zu diesem Resultat. Weil dieser Stoff die Bildung von Zahnbelägen verringert, schützt er die Zähne vor Karies. Bakterien, welche Karies auslösen können, wie beispielsweise Streptococcus mutans, werden durch Xylitol am Wachsen gehindert. Sie können den Zuckeralkohol nicht für ihre Ernährung gebrauchen und verhungern dadurch regelrecht. Durch die regelmäßige Einnahme von Xylitol nimmt die Anzahl der Streptokokken im Mund ab. Gleichzeitig verhindert diese Substanz, dass sich die Bakterien am Zahnschmelz festsetzen können.

Eine neue schwedische Studie belegt, dass schon durch die Einnahme von 3,4 Gramm Xylitol pro Tag während eines Zeitraumes von vier Wochen die Bildung von Zahnbelägen um über 30 Prozent reduziert wird. Damit die Säureproduktion abnimmt, ist eine Dosis von sechs Gramm des Stoffes erforderlich. Als tägliche Dosis werden fünf bis zehn Gramm Xylitol empfohlen. Wenn während des gesamten Tages in regelmäßigen Zeitabständen ungefähr sechs Kaugummis gekaut werden, kommt diese Menge zusammen. Besonders empfehlenswert ist es, die Kaugummis kurz nach den Mahlzeiten zu verwenden.


Kariesprophylaxe bei Babys und Kleinkindern


Eine Mutter kann ihr Kind wirkungsvoll schützen, denn Kinder haben ein wesentlich geringeres Risiko, Karies zu bekommen, wenn ihre Mütter Kaugummis kauen, die Xylitol enthalten. Das hängt damit zusammen, dass Babys mit einer sterilen Mundhöhle geboren werden. Durch den Speichel ihrer Mutter kommen sie in Kontakt mit Bakterien, die Karies verursachen können. Beispielsweise durch Küsse oder beim gemeinsamen Verwenden von Besteck werden diese Bakterien auf das Kind übertragen. Enthält der Speichel der Mutter weniger Streptokokken, sinkt auch das Risiko für ihr Kind, mit diesen Bakterien in Kontakt zu kommen.

Das wurde von einer finnischen Studie im Jahr 2000 nachgewiesen. An dieser Studie nahmen 195 Mütter von Babys teil. 120 der teilnehmenden Frauen hatten viele Streptokokken im Speichel. Sie kauten im Zeitraum, in dem ihre Kinder drei Monate bis 24 Monate alt waren, vier xylithaltige Kaugummis pro Tag. Die übrigen Teilnehmerinnen dieser Studie bekamen während des gleichen Zeitraums nach jeweils sechs Monaten eine Behandlung mit einem fluoridhaltigen Lack. Dadurch sollte der Zahnschmelz gestärkt werden. Eine weitere Vergleichsgruppe wurde mit Chlorhexidin behandelt. Die Absicht, die dahinterstand, war es, die Dichte der Bakterien im Mund zu senken. Im Alter von zwei Jahren wurden die Kinder der Studienteilnehmerinnen untersucht. Nur bei 9,7 Prozent der Kinder, deren Mütter xylithaltige Kaugummis gekaut hatten, wurde Streptococcus mutans im Speichel nachgewiesen. Im Gegensatz dazu waren es aus der Gruppe, in der die Mütter mit fluoridhaltigem Lack behandelt wurden, 48,5 Prozent. Bei der Vergleichsgruppe, in der die Mütter Chlorhexidin erhalten hatten, wiesen 28,6 Prozent der Kinder eine Besiedelung mit Streptococcus mutans auf.
Mit fünf Jahren wurden die Kinder nochmals untersucht. Das Ergebnis war, dass bei den Kindern, deren Mütter die xylithaltigen Kaugummis erhalten hatten, viel weniger Karies nachgewiesen wurde als bei den Kindern aus den beiden anderen Vergleichsgruppen. Der Unterschied betrug 70 Prozent.

Nur wenige schwangere Frauen wissen, dass xylithaltige Produkte dazu beitragen können, die Zähne ihrer Kinder länger frei von Karies zu halten. Für Menschen, die ein höheres Risiko haben, Karies zu bekommen sowie für Mütter von Babys kann es sinnvoll sein, täglich sechs Gramm Xylitol zu verzehren. Diese Menge sollte auf drei oder mehr Portionen pro Tag verteilt werden. Besonders vorteilhaft sind Kaugummis.

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Ratgeber Zahnmedizin wurde zuletzt am 12. April 2021 um 00:00:08 Uhr aktualisiert.